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Stuttgart 21

Folgenden Leserbrief habe ich am 7.10.2010 an die Schwäpo geschickt. Er wurde noch am selben Tag (in geänderter Form) bei der Schwäpo online gestellt, und am 8.10 erschien er bereits in der gedruckten Ausgabe. Da die Schwäpo meinen Text verändert hat, habe ich ihnen gleich noch mal einen Leserbrief (Leserbrieftexte ändern) geschickt.


Es ist schon eine große Frechheit, wenn manche Menschen sich über den harten Polizeieinsatz aufregen und so tun, als ob durch diesen Einsatz die Demokratie in ihren Grundwerten erschüttert wurde. Das genaue Gegenteil ist der Fall, schließlich wurden die Demonstrantinnen mehrfach aufgefordert den Platz zu räumen, aber sie sind diesen Aufforderungen nicht nachgekommen und haben stattdessen die Polizisten angegriffen. Wie würden Sie denn reagieren, wenn Sie mit Gegenständen (Pflastersteine, Feuerwerkkörper etc.) beworfen werden? Hat das etwas mit Demokratie zu tun? Und es ist auch ganz offensichtlich, dass dort viele Mütter ihre Kleinkinder, teilweiße im Kinderwagen, nur mitgenommen haben um quasi einen lebenden Schutzschild zu haben. Um aber auch mal zur eigentlichen Sachen zu kommen, das Projekt Stuttgart 21. Die Gegnerinnen tun gerade so, als ob das ganze Projekt im Geheimen ausgeheckt und über Nacht mit den Arbeiten begonnen wurde. Tun wir mal etwas, das die Gegnerinnen nicht machen, schauen wir uns die Tatsachen an.
Tatsache ist, dass Stuttgart 21 vor über 15 Jahren geplant wurde.
Tatsache ist, dass mit Stuttgart 21, als der Plan mal fertig war, noch lange nicht begonnen wurde, da er zuerst noch von vielen Stellen genehmigt, beziehungsweiße Gelder bewilligt werden mussten. Und auch nach der letzten Genehmigung/Bewilligung, vergingen noch viele Jahre, eh man mit dem Bau begann.
Und genau in dieser langen Zeit dazwischen, wäre Protest angebracht und sinnvoll gewesen. Jetzt, nachdem Jahrelang darüber beraten und Schlussendich entschieden wurde, ist der Demokratisch zustande gekommene Beschluss, Stuttgart 21 zu machen, auch zu respektieren. Für uns von der Ostalb bringt dieses Projekt letztendlich nur Vorteile, ob als Pendler oder Durchreisender (z.B. zum Flughafen), es geht dann schneller. Und das auch für viele andere Städte und Gemeinde rund um Stuttgart herum.
Und um auch noch ein Wort über die zurzeit oft zitierte Mehrheit zu verlieren, die angeblich gegen das Projekt ist. Wenn wir hierzu mal die Unterschriftenliste nehmen (Teilnehmerzahl bei Demos schwankt doch sehr stark, je nachdem wer es meldet, die Gegner sagen mehr, die Polizei weniger), sie enthält ca. 67000 Unterschriften, alleine Stuttgart hat aber 580000 Einwohner, es sind also gerade mal etwas mehr als 10%. Und da es ja nicht nur Stuttgarter angeht, sondern auch alle umliegenden Städte, so sieht man doch gut, dass es nur eine sehr kleine Menge ist, die gegen Stuttgart 21 ist. Und dass sich die Befürworter nicht so lautstark äußern, heißt ja nicht, dass es keine gibt, das kennen wir ja alle auch hier aus der Gegend (Beispiel Waldhausen).
Und noch ein Wort zu den Parkschützern. Ich war schon oft dort in Stuttgart im Park. Es ist ein sehr schöner und großer Park. Aber jedes Mal waren nur sehr wenige Leute dort (trotz schönem Wetter und Sonntag). Und jetzt auf einmal kommen Leute daher, die vorher gar nicht wussten, dass dort überhaupt Bäume stehen und wollen um jeden Preis verhindern, dass sie gefällt werden. Auch hier sollte man mal etwas weiter schauen. Natürlich ist es jetzt im Moment schlimm, wenn diese Bäume gefällt werden, aber es wird ja eine sehr große Fläche frei und es werden deutlich mehr neue Bäume gepflanzt als jetzt gefällt werden. Und das ist mit Blick auf die Zukunft sehr gut.
Es bleibt also noch das Geld. Gut, es wird sehr teuer. Aber zum einen verteilt es sich ja über 10 Jahre Bauzeit und zum anderen werden dadurch ja während der Bauzeit Arbeitsplätze gesichert und so fließt also durch den Bau auch wieder viel von diesem Geld zurück in die Staatskasse.
Tja, und zu guter Letzt noch die Politiker. Glauben Sie wirklich, dass selbst wenn in Stuttgart (im Landtag oder auch im Rathaus) ein Wechsel stattfindet, dass dann die "neuen" das Projekt stoppen könnten? Nein, selbst wenn sie wollten, können sie es nicht stoppen. Deren Aufschreien jetzt ist also wieder mal nichts anders als Wahlkampf.
Ich bin kein ausgesprochener Befürworter diese Projektes, aber ich respektiere die Demokratie und somit muss ich sagen: "dieser Zug (um dagegen zu demonstrieren) ist im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren".


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